Glossar J-P

Krise, psychisch: Eine psychische Krise bedeutet den Verlust des seelischen Gleichgewichts, der dadurch entsteht, dass Ereignisse oder Lebensumstände nicht bewältigt werden können: Art und Ausmaß der Ereignisse und Umstände überfordern die zur Verfügung stehenden Bewältigungsmöglichkeiten und Ressourcen. Psychische Krisen können durch Veränderungskrisen oder durch traumatische Krisen ausgelöst werden. Veränderungskrisen können bei allgemeinen Lebensveränderungen entstehen wie z. B. Pubertät, Verlassen des Elternhauses, Schwangerschaft, Berufswechsel, Midlife-Crisis, Pensionierung. Traumatische Krisen werden durch plötzlich auftretende Ereignisse wie z. B. Unfall, Krankheit, Verlust, Schicksalsschläge ausgelöst.

Krisenberatung: Kurzfristige Beratung für Personen in akuten Krisen, auch in Form von Intensiv- bzw. Kompaktberatungen bis 180 Minuten. Dabei werden über Krisen- und Problemanalyse, Analyse der individuellen Bewältigungsstrategien, Stabilisierungstechniken, Ressourcenaktivierung und Erarbeitung alternativer Lösungswege Unterstützung zur Krisenbewältigung erarbeitet.

Persönlichkeitsänderung, andauernd: Persönlichkeits- und Verhaltensstörung nach extremer, anhaltender Belastung oder nach schwerer Krankheit. Häufig geht eine (→) PTBS voran, die in diese oft irreversible Persönlichkeitsveränderung übergeht.

Prävention: Maßnahmen zur Vorbeugung und Früherkennung von Krankheiten mit dem Ziel der Gesundheitserhaltung bzw. -förderung. Primäre Prävention (Krankheitsverhütung) soll dann wirksam werden, wenn noch keine Krankheit aufgetreten ist (z.B. Abbau verhaltensbedingter Risikofaktoren). Sekundäre Prävention (Krankheitsfrüherkennung) soll Krankheiten und Risikofaktoren früh erkennen und therapieren helfen. Tertiäre Prävention (Verhütung von Krankheitsverschlechterung) hat die Verhinderung von Folgeerkrankungen und die Verhütung von Rückfällen zum Ziel.
Psychotraumatologie: Wissenschaft und Lehre von Entstehung, Erscheinungsformen, Rehabilitation und Vorbeugung von seelischen Verletzungen.

PTBS: Posttraumatische Belastungsstörung; eine direkt oder verzögert auftretende Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung (→ Trauma) mit hochbelastenden Kernsymptomen von Intrusion, Übererregung und Vermeidung; Dauer bis zu mehreren Jahren. PTBS kann chronifizieren und in eine (→) andauernde Persönlichkeitsänderung übergehen.

Psychische Störung: Erhebliche Abweichung vom Erleben und Verhalten psychisch gesunder Menschen, erhebliche Abweichungen des Denkens, Fühlens und Handelns. Neben der Abweichung von der Norm sollten noch weitere Kriterien miteinbezogen werden: Leidensdruck bei den Betroffenen, Eigen- und Fremdgefährdung, Funktionsbeeinträchtigung etc.

Psychotraumatologie: Lehre von den Erscheinungsformen, Ursachen, Folgen sowie Prävention und Behandlung von seelischen Verletzungen (psychische Traumata). Die Psychotraumatologie ist ein Lehrbereich innerhalb der Psychologie.

Psychische Traumatisierung: Eine psychische Traumatisierung entsteht dann, wenn eine (lebens-)bedrohliche bzw. Extremsituation die individuellen Bewältigungsmöglichkeiten überfordert, was mit Gefühlen von intensiver Furcht, Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und zu einer dauerhaften Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses führt.

Psychische Traumatisierung, kumulativ oder sequentiell: Eine psychische Traumatisierung kann auch dann auftreten, wenn mehrere subtraumatische Ereignisse (Ereignisse, die im einzeln an sich noch zu bewältigen sind) gleichzeitig oder nacheinander auftreten und somit insgesamt die Bewältigungsmöglichkeiten überschreiten.

Psychologie: Empirische Wissenschaft zur Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Erlebens und Verhaltens des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne sowie deren inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen.

Psychotherapie: Behandlung von Störungen im seelischen Bereich, in den sozialen Beziehungen, im Verhalten oder auch in Körperfunktionen mit Hilfe von psychologischen Methoden durch unterschiedliche Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation. Als Therapieerfolg kann neben der Reduktion bzw. das Verschwinden der Symptomatik (körperlich oder psychisch) auch eine Veränderung des Erlebens, Denkens und Fühlens eintreten zum Beispiel in Form von größerer Selbstannahme, Lebensfreude und sozialer Kompetenz.