Glossar A-I

Akutintervention: Frühintervention, die mit kurzfristiger Beratung und Betreuung das Ziel verfolgt, Personen, die durch plötzliche und extreme Erfahrungen akut psychisch destabilisiert wurden, in ihrer Bewältigung und Verarbeitung zu unterstützen (in Form einer Hilfe zur Selbsthilfe). Übergeordnetes Ziel ist die Sekundärprävention von schwerwiegenden Traumafolgen. Akutintervention umfasst Maßnahmen der Psychoedukation (Informierung und insbesondere Normalisierung von Belastungsreaktionen), Stabilisierung (auch mittels Stabilisierungstechniken), Einschätzung des Risikos für Folgestörungen (anhand von validierten Screeninginstrumenten) und aktive Nachsorge (insbesondere Beobachtung von Störungen des Verarbeitungsverlaufes). Personen mit einem hohen Risiko müssen frühzeitig in fachgerechte Behandlung vermittelt werden.

Belastungsreaktion, akut: Psychischer Schockzustand, der unmittelbar nach einer außergewöhnlichen Belastung eintritt und innerhalb von wenigen Tagen (selten auch länger) abklingt. Die akute Belastungsreaktion ist eine normale Reaktion der menschlichen Psyche auf eine außergewöhnliche Erfahrung.

Coaching: Unter Coaching werden alle Maßnahmen zur personen-, prozess- und organisationsbezogenen Beratung im beruflichen Kontext subsumiert. Es gibt keine einheitliche Definition von Coaching. Die zeitlich begrenzte Beratung zielt auf unterschiedliche Bedarfslagen der Coachingnehmer ab und kann als Entwicklungsinstrument im beruflichen Kontext bezeichnet werden.

Diagnose: Zuordnung von Befunden und Symptomen zu einem Krankheitsbegriff. Für eine einheitliche Diagnosestellung werden sowohl in der Praxis als auch in der Forschung kriterienorientierte Klassifikationssysteme verwendet (ICD-10: Internationale Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision oder DSM IV: Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen).

Diagnostik: Eine differenzierte Diagnostik psychischer Belastungen und Störungen ist Voraussetzung für jede Intervention und muss sich an den Kriterien gängiger Klassifikationsschemata (ICD-10, DSM IV) orientieren und nach deren Codierung verschlüsselt werden.

DSM IV: Statistical Manual of Mental Disorders. Das diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen 4. Auflage wurde zuerst in Amerika herausgegeben. Nachfolgend erschien auch eine deutsche Publikation. Wegen der sehr differenzierten Kriterien zur Diagnosestellung ist diese Klassifikation insbesondere für die Forschung interessant, kommt aber auch im praktischen Alltag zur Anwendung. (→ s. a. ICD-10).

EMDR: Eye Movement Desensitization and Reprocessing oder auch kurz Augenbewegungstherapie ist eine von Dr. Francine Shapiro entwickelte traumabearbeitende Therapiemethode, die neben anderen Methoden wissenschaftlich sehr gut untersucht ist. Über bilaterale Stimulation werden Traumafragmente von Bildern, Gefühlen, Gedanken und Körperempfindungen integriert.

ICD-10: International Classification of Deseases. Die Internationale Klassifikation der Krankheiten 10. Revision kommt speziell im europäischen Raum zur Anwendung und vereinheitlicht den Sprachgebrauch medizinischer Begriffe. Die Diagnoseverschlüsselung erfolgt anhand festgelegter Kriterien. (→ s. a. DSM IV)

Intrusionen: Anhaltende, sich aufdrängende und belastende Erinnerungen an das traumatische Ereignis; Intrusionen können über alle Sinnesqualitäteten bestehen (Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmack, Körperempfindung). Sie sind mehr als ein bloßes Wiedererinnern, sondern vielmehr ein Wiederdurchleben mit allen verbundenen Gefühlen. Intrusionen sind eines der drei Kernsymptome bei psychischen Traumata.